Höhenmeter ohne Ende - Wer die ersten Bericht von Jonas aus Californien gelesen hat, weiß wie die Jungs dort unterwegs sind. Nun macht die "Royal Gorge" ihrem Namen alle Ehre.
Wabena, dieser Wasserfall bereitet mir seit Tagen schlaflose Nächte. Schon vor meinem Abflug nach Californien, habe ich einen Film über einen riesen Wasserfall in der Royal Gorge des North Fork of the American River gesehen. Hier treffe ich auf Geschichten über einen super sauberen, etwa 24m hohen Wasserfall mit großem Pool. Das muss der Wasserfall sein, den ich gesehen habe. Weiterhin wird mir geschildert, dass dieser Wasserfall erst 4-mal zuvor befahren wurde. Ich bin super motiviert, den Wasserfall zu befliegen. | ![]()
Quelle: Jonas Grünewald
|
![]()
Quelle: Jonas Grünewald
|
Der Wasserstand in der Royal-Gorge sinkt und die Tage bis zur Befahrung werden weniger und weniger. Dann ist es soweit. Da wir es nicht mehr abwarten können und unsere Crew Zeitdruck hat, setzten wir bei eigentlich zu hohem Wasserstand ein.
Die Spannung ist kaum noch auszuhalten. Noch nie war ich vor einem Bach so nervös. Doch was soll schief gehen - Umtragen kann man immer. Und ich habe 2 der besten Wasserfall Experten der Paddel-Szene mit in meiner Crew. Chris Korbulic und Ben Stookesberry, der über 50 Wasserfälle mit einer Höhe über 20 m auf seinem Konto hat. Beide haben Wabena schon gemeistert. Ben hat vor 9 Jahren die Erstbefahrung gemacht, Chris hat letztes Jahr nachgezogen. Mit schwer beladen Booten starten wir die Tour. 3 Tage, 5 haushohe Wasserfälle sind das Programm der nächsten Tage. Es geht gleich am Anfang heftig los: kurzen Klammen mit steil verblocktem Wildwasser und engen Stufen. Foto links: Darin McQuoid booft Heath 1 |
![]()
Quelle: Darin McQuiod
Jonas hebt ab in Heath 1. | ![]()
Quelle: Jonas Grünewald
muss auch Nein sagen können. Darin McQuoid entscheidet sich gegen eine Befahrung. |
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unser erstes Camp. Direkt am 3. Wasserfall dieser Schlucht. Im Abendrot erspähe ich einen winzigen Blick auf Rattlesnakefalls. 17m geht es abwärts. Doch jetzt heißt es erstmal ausruhen, denn der nächste Tag schreit nach Heldentaten. Nach einer doch recht kurzen Nacht und 2 Stufen zum warm paddeln, sitze ich im Kehrwasser vor der Abrisskante. Die wenigen Kajaker, die diesen Wasserfall befahren, starten normalerweise aus dem linken Kehrwasser und meiden die Eingangswalze. Doch der hohe Wasserstand macht diese Art der Befahrung unmöglich: die Eingangswalze muss genommen werden. Mit kräftigen Paddelschlägen ziele ich auf die Einfahrt, schneide die Korkenzieherwalze und befinde mich auf der Idealroute in der Mitte des Wasserfalls. Einen kurzen Moment noch Abwarten, dann ducken. Der Einschlag ist sauber und weich. Aufrollen und die Hand zum Himmel strecken. Geschafft. Foto rechts: Rattlesnake Wasserfall: Jonas Grünewald nimmt Kurs. | ![]()
Quelle: Darin McQuiod
|
![]()
Quelle: Jonas Grünewald
| ![]()
Quelle: Darin McQuiod
Foto links: Aus einer anderen Perspektive: Rattlesnake stürzt in die Klamm. Paddler Darin McQuoid. Foto oben: Auch wenn es manchmal schwer ist sich gegen eine Befahrung zu entscheiden. Daumen runter für Scott’s Drop Dann bricht der Fluss zum 4-mal ab. Scott’s Drop. Eine über 30m hohe Wasserfall-Rutsche –Wasserfall-Kombination. Es ist wohl die mächtigste fahrbare Wasserfall-Rutschen Kombination, die ich seit langem gesehen habe. Jedoch entscheiden Ben, Darin und ich mich fürs Umtragen, da eine Befahrung zu Risiko reich ist. Chris ist hochmotiviert und legt nach langem Scouten eine perfekte Linie hin. |

Nach einem weiteren 7 m hohen Schlitz -Wasserfall heißt es: Wabena.
Wir steigen aus und müssen erstmal 10 min einem kleinen und steilen Trail folgen bis wir den ersten Blick erhaschen können. „ Riesig, aber wunderschön „ denke ich mir. „ Wo liegt das Problem??? In dem WW 5 Eingangskatarakt??“ Dieser fällt mir erst jetzt auf. Eine Besichtigung ist nur gering möglich. Ich habe mich dennoch entschieden: Ich werde Wabena befahren!!!. Mein Plan ist es, um eine Verletzung vorzubeugen, mein Paddel im Fall weg zu werfen und mit der Hand zu rollen. Doch wird die Handrolle in dem luftdurchsetzten Pool gelingen?? Egal. Ich bin bereit eine kleine Schwimmeinlage einzulegen. Ben hat sich ebenfalls für eine Befahrung entschieden und er ist bereit als erster den Fall zu befahren und wenn nötig mein Paddel vor der nächsten Stufe einzusammeln. Nachdem wir eingestiegen sind, warte ich aufgeregt im oberen Pool, damit Ben nach dem Eingangskatarakt eine Schleife im Kehrwaser drehen kann und dann den Fall hinunter stürzen kann. Ob seine Befahrung erfolgreich war, ist für mich ungewiss, als ich in den Katarakt einfahre. Auf der wage geplanten Route schlängele ich mich durch die Stufen. Foto links: Jonas Grünewald beendet seine schlaflosen Nächte. | ![]()
Quelle: Darin McQuiod
|
Dann kommt das letzte Loch vor dem retten Kehrwasser. „ Oh Mann ist das groß“, gerade noch rechtzeitig setzte ich meinen Boofschlag und paddel ins Kehrwasser. Der schwerste Teil ist geschafft.
Jetzt trennen mich nur noch 24 vertikale Meter vom Pool. Ich starte auf der grünen Zunge zur Kante. Dann der Blick nach unten: „Oh mein Gott, ist das hoch“, schießt es mir durch den Kopf. Dann lasse ich mein Paddel fallen und schmiege mich so gut wie es geht ans Boot. Den Einschlag empfinde ich als super weich, dann rolle ich hoch. Neben mir taucht mein Paddel auf, ich greife es. Meine geballte Faust geht zum zweiten Mal an diesem Tag in Richtung Himmel. Geschafft, damit bin ich die 5. Person, die diesen Wasserfall befahren hat. Vor Glück und Adrenalin zittert mein ganzer Körper. Ben und Darin folgen, doch beide müssen einen Verlust des Paddels in Kauf nehmen. Nach der Befahrung rate ich, warum es nur so wenige Befahrung gibt: Wabena steht nach 1,5 harten Paddeltagen auf dem Programm. Dazu kommen die immense Höhe, Gepäck im Boot und eine doch recht harte WW 5 Eingangsstufe, die unter enormer Anspannung und ohne Fehler gemeistert werden muss. | ![]()
Quelle: Jonas Grünewald
|
